Für unsere Kollektion mit dem Thema "Krimi" haben wir uns ausgiebig mit Spionen, Tatwaffen und Alibis beschäftigt.
Kriminalfälle in schwarzweiss und bunt flimmerten uns lange Nächte vor den Augen. Bücher von Agatha Christie bis Edgar Wallace stappelten sich auf unseren Nachtkästchen.
Spannung, Betrug und Mord begleiteten den Alltag und verschärften unseren Sinn für verdächtige Modetrends und beste Stoffqualität.
Die kleine Krönung lieferte uns allerdings Lars Kirkow . Exklusiv für Coco Lores schrieb er eine kleine Reihe von Kurzkrimis, von denen jeweils eins zum Kleidungsstück ergänzt wird.
Hier gibt es nun alle Krimis auf einen Blick:
Ich wusste, dass hinter ihrer kleinen Stoffgiraffe mehr steckte als nur das Geschenk ihres Mannes, der jetzt im Gefängnis schmorte. Ihre Augen, die vor Freude strahlten, wenn sie dem kleinen Stofftier über den Bauch streichelte, verrieten sie. Schon der kleinste Versuch meinerseits, mich dem Tier mit einem Finger zu nähern, wurde von ihr vehement zurückgewiesen. Um hinter das Geheimnis dieser Faszination zu kommen, wartete ich eines Nachts, bis sie eingeschlafen war. Dann nahm ich ihr vorsichtig die Giraffe aus dem Arm und drehte mich zu meiner Seite. Das Stofftier war schwer und als ich es vorsichtig hinlegte, vernahm ich ein leichtes Knirschen. Ich bohrte meinen Finger in den Stoff-Bauch und spürte kleine feste kugelförmige Steinchen, die gegeneinander rieben. Also war der Diamantenraub doch gelungen.
Mit der Waffe in der Hand drückte ich mich fest an die Hauswand. Ich wusste, dass er hinter der Ecke auf mich wartete. Die Stiefelspitze verriet ihn, die unübersehbar unten herausragte. Eine Katze überquerte die Straße und rieb sich an der Stiefelspitze das Köpfchen. Vorsichtig, Du Süße! Ist ein Schwerverbrecher, mit dem Du da anbändelst. Nach wenigen Sekunden verschwand die Kleine ganz hinter der Ecke. Nur der Stiefel rührte sich keinen Millimeter. Noch einmal atmete ich tief ein. Bei drei wollte ich zuschlagen. Eins... zwei... drei! Blitzschnell rannte ich los, entfernte mich etwas von der Wand, warf mich auf den Boden, rollte mich zweimal um mich selbst, bis ich in einer Entfernung von zwei Metern in Höhe des Stiefels mit der Pistole im Anschlag liegen blieb. Kein Mensch in Sicht. Ich zielte auf einen prall gefüllten Nikolausstiefel.
Ich nahm einen kräftigen Schluck Met und beobachtete das rege Treiben auf dem Mittelalter-Markt. Mir gegenüber hämmerte ein Schmied kräftig und laut auf ein Schwert ein und zog Aufmerksamkeit auf sich. Rechts von mir bot eine alte Hexe in einem Bretterverschlag ihre Dienste an: “Schwarze Magie” stand in großen Buchstaben auf dem Schild Ein älteres Pärchen blieb stehen, die Frau zögerte eine Sekunde, dann schob sie den Vorhang zur Bude beiseite und betrat den Hexenraum. Der Mann wartete draußen und blickte nervös zu mir herrüber. Kurze Zeit später sprang plötzlich der Schmied aus seiner Werkstatt hervor und stach dem Wartenden das Schwert in den Bauch. Zeit für meinen Einsatz. Ich nahm die Ermittlungen auf. Beginnen wollte ich mit einem Verhör der alten Hexe.
Schon als die Bahn in die Konstablerwache einfuhr hatte ich ein merkwürdiges Gefühl. Beim Einstieg in die U-Bahn erblickte ich ihn dann unten auf dem Trittbrett. Ein farbenfroh funkelnder Diamantring. Kaum zu glauben, dass er noch niemandem aufgefallen war, denn er steckte an einer abgetrennten Hand mit rot lackierten Fingernägeln. “Du musst reich gewesen sein, Schätzchen!”, dachte ich und hob die Hand auf. Der Fall war sicherlich schnell gelöst. Irgendjemand musste seine Hand vermissen. Mit der Hand in der Hand ging ich zur nächsten Wache und erstattete Bericht. Die Beamten dankten mir und erzählten, was passiert war: Eine nicht funktionierende Türsicherung, eine eingeklemmte Hand, eine Fahrt von der Hauptwache zur Konstablerwache, eine abgetrennte Hand und dazwischen der Tod einer Frau.
Wie fast täglich saß ich mit einem Eis in der Sonne auf dem Platz vor der Alten Oper und wartete ungeduldig auf einen Auftrag. Eine Personenobservierung, die mir 1000 Euro pro Tag einbringen sollte. Ich schleckte an der kalten süßen Kugel und beobachtete eine Frau, die in meiner Nähe scheinbar unauffällig auf und ab ging. Als mein Handy klingelte, sah sie kurz zu mir herrüber, bemerkte aber, dass ich es bemerkte, und wandte den Blick abrupt wieder ab. Ich ging ran, ließ sie beim Telefonieren aber nicht aus den Augen. Es war mein Boss: “Jack, der
Kunde möchte, dass Du einen Typen observierst, der neuerdings täglich mit einem Eis in der Hand vor der alten Oper sitzt. Der Kunde hat aufgrund der hausinternen Sicherheitsvorkehrungen bereits eine Dame aus den eigenen
Reihen auf das Objekt angesetzt.” – “Geht klar!”
An einem lauen Herbstabend stolperte ich vor der Paulskirche fast über einen glänzenden schwarzen Lackstiefel. Ich bückte mich und sah mein Spiegelbild in dem schwarzen Material. “Nimm ihn mit, er wird Dir noch nützlich sein!” Ich verließ mich auf meine innere Stimme und hob ihn auf. Mit dem Stiefel in der Hand schlenderte ich über die Zeil. Ein Menschenauflauf am Brockhaus-Brunnen zog mich an. Ich drängelte mich nach vorne. Wo Massen zusammenkamen war bereits etwas passiert oder würde noch etwas passieren. Vielleicht eine Gute Basis für einen neuen Auftrag. Als ich es endlich bis nach vorne geschafft hatte, blickte ich entsetzt über den Brunnenrand: Im Wasser lag eine Frauenleiche, die nur mit einem Minirock bekleidet war und einen Stiefel trug. Irritiert bemerkte ich, dass die Schaulustigen nun mich zum Objekt des Begaffens gemacht hatten.
Ich ließ die Füße vom Eisernen Steg baumeln und beobachtete aus der Ferne das rege Treiben auf dem Mainufer. Menschen krabbelten dort auf der Suche nach günstiger Beute von Stand zu Stand. Auch ich war fündig geworden und hatte mir eine alte Edgar-Wallace-Verfilmung, eine Biographie über Hans Joachim Fuchsberger und aus nostalgischen Gründen einen Kinder-Detektiv-Koffer gekauft. Schon immer hatten mich das Lesen von Spuren, das Logische Puzzlespiel und das Schlüpfen in andere Rollen fasziniert. Es gab nichts Herausforderndes als ein nicht gelöstes Rätsel. Gab es keine Rätsel, sprich Aufträge, musste ich sie mir selbst konstruieren. Während ich so sinnierte, spielte unter mir der Main mit einem Mantel und einem Pullover, die ohne Körper leblos im Wasser trieben.
Ich saß im Cafe Woyton und war in die Lektüre der FAZ vertieft, als mich mein detektivisches Gespür auf ein Pärchen aufmerksam machte, das sich drei Meter entfernt von mir einen Tisch ausgesucht hatte. Zwei Kaffee standen bereits vor den beiden, als der Mann, eine sehr mürrische Kreatur, noch einmal aufstand und in Richtung Tresen ging. Die Frau nutzte die Chance, kippte schnell etwas in seinen Kaffee und ließ dann etwas in ihrer Manteltasche verschwinden. "Kein Wunder, du süße Perle, dass du diesen Kerl los werden willst!" Meine Aufgabe war es aber nicht, zu verhindern, sondern aufzuklären. Also wartete ich, was weiter geschehen würde. Als der Mann jedoch keinerlei Anstalten machte, vergiftet umzufallen, verließ ich das Cafe. Auf dem Weg nach draußen griff ich schnell unbemerkt in die Tasche der Frau und fischte etwas heraus. Ein Zuckertütchen.
Es waren ihre grazile Art, den Regenschirm in ihrer Armbeuge zu tragen, und ihre gesamte Erscheinung, die eher einem Film mit Audrey Hepburn entsprang als der Realität, die mich auf sie aufmerksam machte. Zwei, drei freundliche Sätze und ich durfte sie ein Stück des Weges begleiten. Wahrscheinlich wäre mir nichts aufgefallen, wenn es nicht plötzlich zu regnen begonnen hätte. Der Schirm war sehr klein, und so tropfte es mir auf die linke Schulter. Die Tropfen waren rot. Ich spielte den Kavalier und bat sie, mir den Schirm zu geben. Sie willigte ein. Sobald ich ihn in der Hand hielt, schloss ich ihn und drehte ihn um. Die gesamte Spitze und weite Teile des angrenzenden Stoffes waren blutverschmiert. Ich begann mit den Ermittlungen.
Ich hatte schon eine Vorahnung, als die beiden zusammen nach Feierabend den Fahrstuhl betraten, um noch einmal nach oben in den 45sten Stock zu fahren. Ihr Vorwand, dort ihre Handtasche vergessen zu haben, und ihr Flehen darum, er möge sie doch begleiten, weil sie sich so verlassenen Büroräumen fürchte, kamen mir spanisch vor. Ich betrat den zweiten Fahrstuhl und fuhr den beiden nach. Im 45sten angekommen stieg ich aus und stolperte fast über seine Leiche, die quer vor den beiden Fahrstühlen in einer Blutlache lag.
Sie musste ihn mit einem schweren Gegenstand von hinten den Schädel eingeschlagen haben. Die Stockwerkanzeige deutete an, dass sie dann zum Dachgeschoss hochgefahren war. Das ergab fast keinen Sinn, es sei denn ... schnell drehte ich mich um und blickte aus dem breiten Fenster nach draußen, wo sie bereits mit wehendem Mantel an mir vorbei nach unten stürzte.
"Jack! Beschatte meine Frau!" Einen merkwürdigeren Auftrag hatte ich in meiner gesamten Laufbahn nicht bekommen. Die Frau meines Bosses verhielt sich in letzter Zeit merkwürdig. Ich heftete mich an ihre Fersen. Die ersten Tage verliefen unspektakulär, ein paar Shopping-Touren, Röcke, Mäntel und sonstige Kleidungsstücke, hier und dort ein Aufenthalt in Cafes, die hauptsächlich der Lektüre der neuesten Vogue dienten. Nach drei Tagen allerdings die ersten Auffälligkeiten: Der Besuch eines Waffenshops, das Erkundigen nach einem Messer, mit dem man notfalls effektiv zustechen könne, der Erwerb eines solchen Messers, der Kauf einer Sonnenbrille und das Tragen derselben in einem Cafe, das abgedunkelt war. Ein Telefonat, in dem das Wort "Beschattung" fiel, ließ mich direkt am Nebentisch Platz nehmen. Dann spürte ich nur noch einen schmerzhaften Stich in meinen Rücken und mir wurde schwarz vor Augen.
Frankfurter Buchmesse. Schwerpunkt Afrika. Lesung mit Sonja Leichtglaub. Die Tatsache, dass die Autorin einem einheimischen zum Opfer gefallen war, der sie finanziell ausbeutete, hatte sie romantisch zu einer Liebesgeschichte verklärt. Ihrem Stand gegenüber ein afrikanischer Verlag, der mit Buschwaffen als Dekoration auf sich aufmerksam machte. Meinen Auftrag verdankte ich einem Gerücht in der Verlagsszene, wonach ihr Ex-Gatte an die Rechte des Buches gelangen wollte. Sonja Leichtglaub saß erhöht auf einem Podest und las. Mein Blick schweifte über das Publikum und über den Stand gegenüber, an dem eine Person mit Buschmaske ein langes Rohr vor den Mund hielt. Eine Sekunde später tumultartige Szenen im Publikum: Sonja Leichtglaub war in ihrem Stuhl zusammengesunken. In ihrem Hals steckte ein bunter Pfeil.
Zu beobachtende Person: Oskar Viech, Vorstandsmitglied einer deutschen Bank. Er stand im verdacht, mit Kinderpornos zu handeln. Im ICE von Frankfurt nach Köln saß ich ihm und seiner ca. 18-20jaehrigen Begleitung - bauchfreies Top, Minirock - im Zugrestaurant
gegenüber. Die beiden verschwanden, ließen aber ihre Sachen am Platz. Nach 10 Minuten kehrte die junge Frau allein zurück. In der hand hielt sie einen kleinen Plastikbeutel, den sie schnell in ihrem Rucksack versenkte. Dann genoss sie Musik aus ihrem iPod. Von Viech keine Spur. In Kürze würde der Zug in Köln einfahren. Ich machte mich auf die Suche nach Viech. Auf der letzten Toilette fand ich ihn in einer Blutlache. Sie hatte ihm mitten ins Herz gestochen und anschließend seinen Penis als Trophäe abgeschnitten.
"Rachel Engel, 35, Mutter der drogenabhängigen Eva, 17, hat in der letzten Zeit ungewöhnlich viel Geld abgehoben. Ihr Mann will wissen, warum. Ein Fall für Dich, Jack!" Rachel betrat mit einer Tüte in der Hand eine Kneipe in der Kaiserstrasse. Sie setzte sich dort neben Rufus Los - stadtbekannter Drogendealer - an die Bar und verwickelte ihn in ein Gespräch. Ich schnappte "Zimmer" und "Quickie" auf. Die beiden waren sich schnell einig und verschwanden eine Treppe neben der Bar nach oben. Rachel kam nach 15 Minuten mit abwesendem Blick wieder zurück. Ihre Tüte war leer und lag zerknüllt in ihrer Hand. "Du hast ihn getötet, schöne Frau!", dachte ich und stürmte nach oben. Nackt und gefesselt lag er auf dem Bett, 25 Leergedrückte Einwegspritzen steckten in seinem Leib. Unter einer Nadel ein Zettel: "für Eva!"
Vom Dach hatte ich die Kaiserstrasse im Blick. Meine Spiegelreflex wartete auf ihren Einsatz. Eine Schau mit dem Modepüppchen Elena Sukzessowa war angesagt. Ich sollte herausfinden, welche Agenturen noch hinter Elena her waren. Massen von Menschen waren direkt vor der Bühne oder vor Großleinwänden versammelt. Als Elena die Bühne betrat, schien sich jedoch am anderen Ende der Strasse etwas zu ereignen. Ich richtete meine Kamera darauf. Eine verdammt Gutaussehende Schnecke, elegant gekleidet, mehrere Ketten um den Hals und zig Handtaschen in der Hand, drängte sich laufend durch die Menge. Ihr dicht auf den Fersen mehrere Uniformierte. Ich hielt die Verfolgungsjagd in Bildern fest. Mittlerweile war das Geschehen auch auf den Großleinwänden zu sehen. Am Ende stürmte die Verfolgte auf die Bühne von Elena Sukzessowa und das ganze entpuppte sich als Marketingaktion der Konkurrenz.
Fotoshooting mit Elena Sukzessowa. Das Model sollte laut Skript in verschiedenen Kostümen jeweils mit einem Handtäschchen über die Kaiserstrasse schlendern und dabei Passanten wahllos mit dem Täschchen auf den Kopf schlagen. Natürlich handelte es sich bei den Passanten um Statisten. Ich sollte von einem Dachgeschoss aus das Ereignis beobachten und auffällige Zaungäste beobachten, die eventuell von Konkurrenz-Agenturen sein konnten. Es kam allerdings anders. Das Püppchen hatte wieder einmal zugeschlagen, dabei anscheinend aber keinen Statisten, sondern einen normalen Passanten erwischt. Dieser gestikulierte wild, riss ihr die Tasche aus der Hand und holte zum Gegenschlag aus. Elena rannte davon, der Mann hinterher. Ich hielt die gesamte Flucht mit meiner Kamera fest. Das "Shooting" verkaufte ich exklusiv an die Vogue und gönne mir derzeit eine Auszeit in Thailand.
"Er tötet sie, Jack, legt einen Schal um den Hals und schließt diesen mit einer Brosche. Immer in Frankfurter Hotels." Auftraggeber laut meinem Boss: Deutsche Bank, die so allein drei ihrer Vorstandsmitglieder verloren hatte und wissen wollte, was da los war. Schals und Broschen: Thailändische Produkte, nur am Flughafen und am Bahnhof zu erwerben. Die Opfer: Vielflieger! Also begann ich mit dem Flughafen und wurde auf eine zuckersüße Teilzeitkraft aufmerksam, die Geschäftsleute bezüglich eines Geschenkes für die Ehefrau beriet. Leicht ließen die sich Schal und Brosche aufschwatzen, nicht ohne der süßen Maus mit zweideutigen Bemerkungen noch eine Visitenkarte zuzustecken. Ich konfrontierte das Leckerchen mit Hotelnamen und den Schals und Broschen, die einst um die toten Hälse gebunden waren. Die Zuckerschnecke löste sich in Tränen auf und gestand, alle Männer getroffen, gepoppt und getötet zu haben.
Ich nippte an meinem Glühwein und beobachtete das bunte Lichterspiel auf dem Frankfurter Weihnachtsmarkt. In meiner Nähe ein Karussell. Viele schreiende Kinder, in einem Feuerwehrwagen ein Weihnachtsmann mit einem roten Sack auf seinem Schoss. Ich zog den Duft von Anis in meine Nase. "Mein Gott, was für eine Braut!" Eine ganz in schwarz gekleidete Frau ging an mir vorbei, um sich neben den Weihnachtsmann zu setzen. "Was geht denn da ab?", fragte ich mich und beobachtete neugierig. Die beiden unterhielten sich und nach der Fahrt stieg die Dame mit dem roten Sack aus und verschwand in der Menge. Der Weihnachtsmann drehte weiter seine Runden und ich trank weiter einen Glühwein nach dem anderen. Nach zig Gläsern saß der Weihnachtsmann schräg in dem Feuerwehrwagen und trotz meines angetrunkenen Zustands wusste ich, dass er tot war.
Ich nahm der Toten Brosche und Schal ab. Auf der Brosche waren zahlreiche Symbole und das heutige Datum eingraviert. "merkwürdig", dachte ich. Im Bus saß mir dann ein richtiges Leckerchen gegenüber. "Wo starren Sie denn die ganze Zeit hin?", fragte sie. "Ich versuche, das Datum auf ihrer Brosche zu entziffern!", erwiderte ich. Sie sah mich ungläubig an, nahm die Brosche ab und betrachtete sie. "Ich hab gar nicht gesehen, dass ein Datum draufsteht. Hmm. merkwürdig ... Heute!" Ich zeigte ihr die Brosche, die ich der Toten abgenommen hatte und fragte sie: "Wo haben Sie Ihre Brosche gekauft?" "Bauchladen, Zeil! Aber ich muss jetzt aussteigen!", beendete sie abrupt das Gespräch.
"Passen Sie auf sich auf!", rief ich ihr nach. Ich sah noch, wie sie hinten um den Bus ging und dann von einem Auto erfasst wurde.
"Jack, eine Handtasche heißt Handtasche, weil es eine Tasche in einer Hand ist, und nicht umgedreht. Hier versucht irgendein Psychopath uns mit seinen Wortspielen zu foppen!" Mein Boss hatte Recht, denn nach Foto der abgetrennten Hand in einer Tasche (betitelt mit "Handtasche") folgten Fotos von einem abgetrennten Fuß auf einer Matte, einem Arm in einem großen Reifen, Nägeln in Fingern und Händen in Schuhen. Mit jedem der an die Presse geschickten Fotos verriet der Mörder (er selbst bezeichnete sich als einzigen Body-Artist der Welt) auch gleichzeitig den Fundort der Leichen. Im Bus fiel mir ein Mann mit Kamera auf, der einen riesigen Plastiksack voller Tücher trug. "Was machen Sie denn mit all den Tüchern?", fragte ich ihn. Er betrachtete mich abschätzend und antwortete herablassend: "Ich plane eine Ausstellung mit dem Titel 'Kopftücher'".